Anton Pachinger

Wissenschafter, Kunsthistoriker und Volkskundler.

* 1864    † 1938

 

Viele Studien

Pachinger war der Sohn des reichen Linzer Eisen- und Waffenhändlers Anton Pachinger (1829–1900) und dessen Frau Theresia, geb. Mayr. Er bestand 1886 nach mehreren Schulwechseln in Linz die Reifeprüfung und studierte anschließend bis 1890 Rechtswissenschaften, von 1890 bis 1892 Medizin und dann bis 1897 Kunstgeschichte und Archäologie in Wien, wobei er keinen der Studiengänge abschloss.

Meist lebte er vom ererbten Vermögen, in München war er als Antiquitätenhändler und Gutachter für alte Kunst und Kunstgewerbe tätig.

Sammel-Leidenschaft und Wissenschaft

Die Leidenschaft, zu sammeln, hat er von seinem Vater geerbt. Er interessierte sich für viele Gebiete: Sittengeschichte, Münzkunde, Archäologie, Spielzeug, Kochbücher, Erotika, Devotionalien, Kostüme, Grafiken, ...

Mit einer ersten wissenschaftlichen Arbeit machte er 1904 den Schritt vom Sammler zum Wissenschaftler. Er verfasste danach zahlreiche kunstgeschichtliche und volkskundliche Publikationen und fand ob seiner Kompetenz als Sachverständiger viel Anerkennung.

Die Sammlung als Grundstock für das Linzer Stadtmuseum "Nordico"

Nach dem Ersten Weltkrieg kam es zur Geldentwertung und aufgrund dieser verlor er den Großteil seines Vermögens. Ihm blieben noch zwei Häuser in Linz und seine Sammlungen, welche ihm die Stadt Linz 1928 gegen eine Leibrente und ein lebenslanges Wohnrecht abkaufte. Die Sammlung Pachingers begründete später das Linzer Stadtmuseum Nordico.

Bereits 1917 hatte er seine bedeutende Sammlung von Wallfahrtsmedaillen und Weihemünzen aus Österreich und Süddeutschland dem Wiener Münzkabinett geschenkt. In Anerkennung dieser großzügigen Spende wurde ihm der Orden der Eisernen Krone III. Klasse verliehen. Der Titel eines Hofrats wurde ihm schon früher vom Großherzog von Hessen-Darmstadt verliehen. 1924 wurde er zum „Ehrenkonservator“ des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg ernannt.

Gründer der Vereinigung der graphischen Künste "Die Mappe"

In München gründete Pachinger 1926 „Die Mappe“, eine noch heute bestehende gesellige Vereinigung von Freunden der graphischen Künste.

Anton Pachinger war mit zahlreichen Künstlern und Schriftstellern befreundet, darunter Alfred Kubin, Franz von Bayros, Roda-Roda, Gustav Gugitz und vor allem Fritz von Herzmanovsky-Orlando, dem er als Vorlage für mehrere Sonderlingsgestalten in dessen Werken diente.

Letzte Ruhestätte am St. Barbara Friedhof

Das Grab Anton Pachingers befindet sich auf dem St. Barbara-Friedhof in Linz. Dort ist auch seine Wirtschafterin und Lebensgefährtin Maria Bajerlacher (oder Baierlacher, 1872–1944) bestattet, die dem Leibrentenvertrag von 1928 entsprechend bis zu ihrem Tod das von Pachinger der Stadt Linz übereignete Haus Bethlehemstraße 31 bewohnte.

Links und Quellen


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